Teil eines Werkes 
4. Band (1835) Der Nabob
Entstehung
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O todtes Herz, ich fuͤhle deine Liebe

Wie Saͤuſeln vom Mondaufgang zu mir wehen, Wie glutgeſchmolznem Golde heiß entgehen,

Iſt denn das Aug', iſt denn der Leib die Liebe?

Ein Geiſt! Die Lieb' iſt Gott, Gott iſt die Liebe, In jeder Blume muß ich dich, dich ſehen;

In jeder Nachtigall dich, dich verſtehen

Da weht ihr Geiſt, da weht auch deine Liebe!

Zwar ſcheinſt du todt, und kehrſt auch nicht mehr wieder und dennoch kannſt du dir ſo feſt mich halten! Ich laͤchle, bis ich ſterb', auf dich hernieder.

Nimmt auch die Zeit die lächelnden Geſtalten, Das Angedenken ſchweben doch die Geiſter Zur Liebe⸗Urquell, zu der Welten Meiſter.

Sie alterte dem Vorangegangenen nach, denn die Verſchiedenheit der Lebensjahre der Menſchen wird im⸗ mer kleiner, zuletzt unbedeutend. Ein Kind von zwei Jahren iſt noch einmal ſo alt, als ein Anderes von ei⸗ nem; ein Jahr ſpaͤter ſtehen ſie nur ein Dritttheil des Lebens aus einander; in achtzehn Jahren iſt der Un⸗ terſchied klein, im Alter iſt er ausgeglichen. Die Tod⸗ ten ſtehen ſtill. Die fruͤheſten Todten der Erde war⸗ ten die ſpaͤteſten Geborenen ab, und werden vereinigt. Eugen blieb in ſeiner Zelle immer derſelbe, immer achtzehn Jahre, und Liddy lebte mit den eilenden Sonnen ihm nach, ja ſie hatte ihn faſt erreicht, und die Meinung war ihr nicht auszureden, ſie werde