— 341— hohen Werth anmaßen duͤrfte, uͤber die ſie nun ſeufzt, ja weint vor verkanntem Entzuͤcken— als ihr Gluͤck im Herzen aber ſo groß, ſo unertraͤglich ward, daß ſie faſt betete, es los zu ſeyn, es zu theilen, es mitzuthei⸗ len, ach, ganz und unverhalten es hinzugeben, ja ſelber zu opfern an den, der ihre Gabe und deren Preis er⸗ kannt— an den Liebenden!— da erwartete ſie noch gewiß einen Engel aus Wolken oder herwandelnd in Menſchengeſtalt in der Pracht des Fruͤhlings; und in⸗ dem ſie ihm zu Fuͤßen ſinken wollte, beugt er das Knie vor ihr, daß ſie erſchrocken die Hand auf die Bruſt legt, um ihr Entzuͤcken verſtummt zu beſchwö⸗ ren, und je heißer er ſagt:„ich liebe dich!“ je weni⸗ ger glaubt ſie dem Engel, bis er ſie an das Herz druͤckt, bis er den Kuß von ihren ewigkeuſchen, goͤtterjungen Lippen kuͤßt, und ſie ſich verwundert, daß ſie ihm vor Scham nicht in den Armen vergangen und zerfloſſen wie Schnee, daß ſie ihn wiederkuͤßt, und endlich ihm wiederlispelt: ich liebe dich!— In ſolchen geträum⸗ ten Augenblicken ſah ſie ſich um— aber da kam Po⸗ lydor! und ſie ſchlug die Augen nieder, denn er war der Engel nicht! So liebte er nicht, ſo hoch ehrte er ſie nicht; denn in ſeinem Blicke war heimliche Unruhe, ja Angſt; auch offen war es wie zugeſchloſſen, und konnte ſie ihm nicht bis tief in die Seele ſehen, oder vermochte nur ſie das nicht in dem Auge war nicht der Himmel, nicht ſeine unausſprechliche Tiefe und Klarheit! nicht jenes unausſprechliche Erſte, Reue,
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