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der Duft in der reifen Roſe, noch nicht in ihrem Her⸗ zen entwickelt. Ihr war nur eigen zu Muthe; oft ſo ſchwer und bang, dann wieder ſo leicht, ſo ernſifroh. Aber ſie war der Mutter gehorſam, wie ſie ihr und ſich ſelbſt gelobt. Als aber allmälig in den Fruͤhlingen ihr eigener Fruͤhling erſchien, mit eigenen unſichtbaren Knospen in ihrem Gemuͤth, als ſie nicht wie der junge Moosroſenbaum nur von zarten Dornen geröchet erſchien, als die alte heilige Fuͤlle und Kraft wie in den Man⸗ delbaum auch in ihr Haupt emporſtieg, als ihre Augen wie Reben weinten, als ihre junge Seele begann zu klagen an dunklen Stellen, wie die junge Nachtigall ihre Stimme verſucht, und mit jedem Laut gleichſam von der Seligkeit und Schönheit koſtet, die ſie da drau⸗ ßen umfaͤngt und ſie beklemmt; als die Schoönheit ihr begann den alten heiligen Schmerz zu bereiten, den ſie vom Anbeginn bereitet, ſobald ein liebendes, empfaͤng⸗ liches Ange ſie je erblickt— da, da ward es anders mit Liddy, und hohe, goͤttliche Ahnung ſchwellte ihre Bruſt. Aber ach, Polydor erfuͤllte und bannte ihr Auge nicht— ein Anderes mußte noch ſchoͤn ſeyn! und wie ſchoͤn! Und ihr war, als habe ſie es ſchon geſchaut, irgendwo, irgendjemal! Als ſie aber vollends erſt ihr eigenes Weſen inne ward, und ihre eigene Ge⸗ ſtalt beſchaute, wie ſich die Jungfrau beſchaut, und es ſoll, um zu lernen und zu begreifen mit Entzuͤcken, wie ſchoͤn, wie liebevoll, wie himmliſch ſie ſelber ſey — wenn ihre beſcheidene Seele ſich ſo hohe Dinge, ſo


