hatte er ganz in der Ferne geſehen und tief geſeufzet. Aber das verſchwieg er.
Liddy war bildſchoͤn, und die Hoffnung, die ſicht⸗ bar⸗unſichtbar ihre ſich entfaltende Geſtalt umſchwebte, machte ſie Jedem noch ſchoͤner. Sie hatte einen Leh⸗ rer, der ihr nun auf Salvator's Harmonika Unter⸗ richt gab, und nur Galate konnte die bezaubernden Toͤne nicht ertragen— aus Erinnerung, welche dem Menſchen— ſogar in der ihn umfangenden Welt ſo manches Lebende, Schoͤne, zu Schatten macht und haͤßlich heißt; ſo wie ſie ihr wahres Amt wohlthaͤtig verwaltend, auch Fernes herbeizieht, und Geiſter Ge⸗ ſtorbener in den leuchtenden Tag herauf beſchwoͤrt. Auch der junge Mann mochte fuͤr Liddy geheime Ver⸗ ehrung, wenn auch beſcheiden verhuͤllt, empfinden. Denn als ihr kleiner Geſpiele, ihr Canarienvogel, ge⸗ ſtorben, als der Vater, die Thräͤnen der Tochter nicht belachend, demſelben im Garten ein kleines, blumenbe⸗ pflanzetes Grab von Raſen unter einem Bluͤthenſtrauch erbauen laſſen, hatte der junge Mann ſeine Neigung zart in die Verſe der Inſchrift verborgen:
Unter Philomelens Klagetönen
Ruht ein Sänger hier in leichtem Sand, und die Roſen, die den Huͤgel kronen, Weiht dem Liebling einer Gottin Hand; Nahe ſtill und lege, Freund des Schoͤnen, Friſche Blumen auf des Huͤgels Rand.


