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Am Morgen ſchon ging ein Bote an Polydor. Am Abend kam er. Er fand Liddy groß und ſo un⸗ ausſprechlich hold und wunderbar auch fuͤr ihn, daß er Galate erroͤthend und laͤchelnd anſah, ſie ſanft an der Hand faßte und zu ihr ſprach:„Mutter!“— Wie ſoll ich das uͤberſetzen? frug ſie ihn eigen:„ Gluckliche Mutter?“ oder—„Sohn?“— Er hielt die Hand
S vor die Augen, und ſprach, wie ſich beſinnend: Sal⸗ vator lebt! Ich muß ihn ſehen— ihn bringen! aber Eugen moͤcht' ich beſtraft wiſſen, und auch nicht! Er muß nun ſchon groß und verſtaͤndig ſeyn.— Und nun mußte ihn Liddy beſchreiben; und ſie that es ſo unſchuldig, aber das Bild war ſo herrlich, der Grund, auf den ſie ihn malte, war Gold, reines Gold ihrer Seele, und die Farben: ſchlafende unbewußte Liebe und Treue. Und als ſie aufhoͤrte und nur ſtockte, von den verwunderten und bewundernden Augen Polydor's und der Mutter beklommen, ward ſie roth wie Feuer; und dieß wohl fühlend, ſetzte ſie leiſe hinzu: Du hat⸗ teſt ihn mir ja zum Bruder gegeben, o Mutter! und
nnoch einmal ſprach ſie„Mutter“ in einem Tone, in einem Sinne, den ſie nicht verſtand, und ſie lehnte ſich hin und weinte.
Er reiſete nach dem Freunde. Er kam wieder. Er hatte nur Alles verlaſſen und ode gefunden. Das offene Grab, das der Einſiedler auf dem freien Platze ſich aufgeworfen, war zugeworfen. Nur Roſenheim


