— 308—
voll, wie eine Traube. Dieſe alſo wollte er beſitzen, weil ſie ſchon ſein war. Sie mußte das ſeyn, was in ihm gleichſam ein Geiſt verlangte. Eine unnenn⸗ bare Fuͤlle von Erinnerungen und Ahnungen mußte er an Sie knupfen. Wie eine junge Roſe vor der jun⸗ gen Fruͤhlingsſonne ihr gruͤnes Kleid ſprengt und das Herz ihr offnet, und ohne Wahl ihr oͤffnen muß, ſo mußte er von ihr, fuͤr ſie ergluͤhen. Wie die junge Roſe wußte er keinen Rath⸗ Aber ſie ſollte morgen fort! Aber er war ſchon heut' verſtoßen! Er wußte keinen Rath.
Da kam in dem Daͤmmer leiſ' eine Geſtalt; er wollte fliehen, da kniete ſchon Liddy neben ihm. In der Verwirrung war ſie entſchlichen. Sie mußte ihn ſchen, ihn troͤſten, ihn halten. „Ich muß fort!“ ſprach er.
„Ich ſoll fort von Dir,“ ſprach Liddy,„und käme ich wieder, fänd' ich Dich ja doch nicht mehr.“
„Lebe alſo wohl! heut', hier, auf immer!“ meinte er.„Ich gehe!“
„Wohin denn?“
„Ich weiß es nicht.“
„Ich gehe mit Dir!“
„Wohin denn? wie weit? wie lange? Bis zum Bach? bis zur Bruͤcke? zum Walde?“ frug er?
und nun ſprach ſie:„Ich weiß es nicht!“
Da entſtand Geraͤuſch. Er floh⸗ ſie hielt ſich an ſeine Hand. Dann gingen ſie gelaſſen neben einan⸗


