— 403—
die Augen auf. Aber Violetta ſtand bor ihm, und er waͤhnte in ſeiner Schwäche, die liebende Seele ſei ihm zum Troſt und zur Pflege erſchienen— denn wie ſie leibhaftig hier ſei, konnt' er nicht faſſen, nicht ahnen. Die Sonne beſchien ſie hell; ihr weißes Kleid machte ſie einem Engel noch aͤhnlicher; und als er lange die leuchtende Geſtalt und das Antlitz ange⸗ ſtarrt, als ſie frohlaͤchelnd und doch voll innerer Weh⸗ muth ſeinem Anblick ſich leiſe entzog, da ſchloß er wieder die Augen, und ihn durchliefen ſuͤße und bange Gedanken an ſie. Er empfand den öden Zwang, einen Charakter durchzufuͤhren, der nicht natürlich iſt; das Darben des Verſchmähens deſſen, was ſelig machte! eines Verſchmähens aus Grille:— nicht das Bild zu zerreißen, das von nach dem Tode in der Nachwelt ſchweben ſollte! Seine beßten Freunde waren nun alle todt. Peſt, Verhängniß, ihre Jahre, die ſie voraus hatten, ſelbſt ihre Jugend und ihre Fehler, ſelbſt ihre
Tugenden hatten ſie hingerafft. Er wankte; ja er faßte den Entſchluß, ſich nicht ſelbſt von Freude und
Liebe zu verbannen. Er bedauerte Violetta, das arme Kind, die aus dem ſich ſelbſt beſcheidenden Gefühl: „ſeine Gunſt gegen ſie werde nur eine kurze Zeit dauern,“ allerhand kleine Streifen Papier von ſeiner Hand und andere Kleinigkeiten von ihm aufgegriffen und ſich wohl aufgehoben, ſchon in ſchoͤnen, geltenden Tagen— zu ſeiner Erinnerung! Und ſo freuete er ſich auf die Ruͤck⸗ kehr nach Garignano zu ſeiner Violetta— die


