Teil eines Werkes 
1. Band (1831) Der Unsterblichkeitstrank
Entstehung
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in des Vaters Hauſe zu zeigen! Er ſah ſie aber Hilda ſah ihn nicht an. Er war blaß wie Schnee aber ſie war todt. Er rief alle Heiligen an, aus Ge⸗ wohnheit, ob er gleich ihr zu Liebe auch uͤbergetreten war. Sie blieb ſtumm, ohne Gruß, ohne Mißmuth, ohne Klage noch Freude; ſie war in die Reihen der Engel getreten. Nur eine reuige, aber nun feſt zum Guten entſchloſſene Seele kann ſeinen Schreck, ſeinen Schmerz ermeſſen. Aber es war ſo! Es blieb ſo, ſo lange er hinſtarrte. So nahm er es denn als ruͤhrende Strafe, als himmliſche Pruͤfung vom himmliſchen Vater mit frommer Seele auf. Er nahm den frem⸗ den, noch ſchlafenden Knaben von Hilda's Fuͤßen und eilte mit ihm hinauf. Und die Todte trua Vater Veit und Bruder Bock, die er aus Guͤte bei ſich zu behal⸗ ten verſprochen, ſchweigend ins Haus. Der redliche Elendshaut, der Buchdruckergeſell geworden, kam außer ſich vor Schmerz herbei, und mit ſeiner Huͤlfe, der das ſchoͤne, heimlich getiebte Haupt in ſeinen zitternden Paͤnden hielt, trugen ſie Hilda hinauf in ihr Zimmer. Und der Zeiſig flog ihr entgegen, und ſchwirrte uber ihr, als ſie da lag, als treues Kind, als liebende Tochter. Denn ſo ſchien ſie den Vater erſt recht zu lieben.

Und ſo betrachtete es auch der wunderliche alte Warnkoͤnig. Er ging leiſe hinzu, indeß die Schweſter hinter ihm ſtehend in das weiße Tuch weinte er drehte das ſchwarze Käppchen wieder auf dem Kopfe,