Teil eines Werkes 
1. Band (1831) Der Unsterblichkeitstrank
Entstehung
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klar ſein konnte, frug ſie noch leiſer: ob ſie eine Schweizerin ſei?

Und nun erzaͤhlte ihr die angebliche Frau Warn⸗ könig die Geſchichte ihrer Begrabung durch die Lawine, ihre Rettung, Verheirathung mit dem Buchhaͤndler Warnkonig, ſeinen Ruin durch die Nachdrucker, alle ihre Befurchtungen, und bat ſie nur; das Geſuch zu unterſtuͤten, das ihre Tochter Hilda dieſen Morgen bei der gnaͤdigen Frau Baroneſſe angebracht.

Deine Tochter! frug dieſe mit be⸗ bender Stimme. Ihr Mutterherz ſchlug furchtbar mahnend an die alte Bruſt. Sie faltete die Hande und ſchien ſtill zu beten. Dann erhob ſie den Schleier der beſcheiden und ſchweigend vor ihr ſtehenden Geſtalt in ſchwarzem Kleide, ſie ſah ihr ins Geſicht, das die reinſten unbefangenſten Zuͤge, die mildeſten, klarſten Augen zeigte, und jetzt nur noch von Verwunderung uͤber ſie verſchleiert ſchien.

Du biſt es! Du ſtammelte die Baroneſſe, und ſie wäre in die Knie geſunken, wenn Fraulein Schreckhorn ſie nicht gehalten und auf ein Sopha ge⸗ legt, wo ſie lange mit offenen Augen wie eine Ge⸗ ſtorbene oder Sterbende blieb, und die Tochter anſah. So geſchieht mir mein Recht, ſprach ſie endlich ſchwach und halblaut zu ſich.Aber ich danke Dir, o mein Gott, daß Du mir meine Tochter auf Er⸗ den noch wieder zuſchickſt! nicht mir ſie erſt im Him⸗ mel vorſtellſt am Tage des Weltgerichts! Kuͤſſe