Teil eines Werkes 
1. Band (1831) Der Unsterblichkeitstrank
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ach, wenn ich Dich verloren, klein, ſo klein! Und Jemand Dich mir wieder braͤchte, wenn auch alt und gebuͤckt und mit einem Silberbart!

O Mutter, wie wollt' ich mich freuen wieder zu Dir zu kommen! fluͤſterte U⸗Muen und hing an ih⸗ rem Halſe.

Während deſſen war eine gruͤn und blumenbunte Geſtalt ſtill in die Thuͤre getreten. Und wie groß und zum Fuͤrchten ſie daſtand, war ſie doch ganz wie ein Kind gekleidet; ſo, wie eben jetzt an dem Feſte des Fruͤhlings ein Greis als Kind angezogen und mit der roſenwangigen Maske eines kerngeſunden Kindes uͤber dem alten Geſicht und dennoch mit dem natuͤrli⸗ chen Silberbart des Greiſes, und mit einem friſchen Bluͤthenkranz von der Mulieuſa-Blume um die Schlaͤfe, durch die Gefilde gefuͤhrt zu werden pflegte, von Alt und Jung bewundert, begleitet und ge⸗ ſegnet.

Der Fruͤhling! rief Moliwha gedämpft. Auch U⸗Muen ſah ihn an. Aber ſie verwunderten ſich doppelt. Denn dieß große Kind jetzt hier, trug wieder ein kleines Kind in gruͤnem Kleidchen und goldenem Haarnetz auf ſeinem Arm, und ſchwieg, die aus der großen Kinder-Maske funkelnden Augen auf die ſchla⸗ fende La⸗Moé geheftet.

Sie ſchläft! ſprach eine ſanfte, ſchone Stimme dann. So gebt denn Ihr der Mutter ihr Kind, die kleine Moliwha!