Ach, ſag' es mir getroſt! Dann bin ich ruhig; bat ſie ihn. Dem Alter kannſt Du alles ſagen! das Leben iſt es lang gewohnt, mit ſeinem Finden und Verlieren; die Erde hat das arme Herz an ihren ewi⸗ gen Gebrauch gewoͤhnt, ja angeſchmiedet; der Alte hofft nicht mehr ſo heftig, und fuͤrchtet nicht ſo bang; der ſtrenge Sinn iſt mild und freundlich gegen Alles was der Himmel ſendet— waͤr' es auch der Tod! Drum ſprich getroſt. Doch ach, mein Kind! das kann noch leben!— Ach, was wir in der Jugend verlieren, verlieren wir auf lange! Was wir im Alter finden, nutzt uns wenig Tage!
Auch wenn es Deine kleine Tochter wäre? lächelte der Fremde.
Die kleine Tochter! ſagſt Du lächelnd; und ganz mit Recht; ſie wäre doch nur 16 Jahre weniger alt, als ich! ihrer Kindheit Pflege: ſeiner Mutter Gluͤck, ach,
hat Semakuang mir armen Frau geraubt— wer
uns die Thätigkeit des Lebens nimmt, den Kern, die Nuß, das Leben darauf zu wickeln, ſo wie goldene Seide, ach, der nimmt uns ja das Leben ſelbſt!
Er wird Dein Kind Dir wiederſchicken! ſprach der Fremde, ſehr bewegt.
Die Alte begann zu zittern, ſie ſchlug das Ober⸗ kleid von den Augen, als waͤre ihr Kind ſchon daz ſie funkelten, ſie ſahen voll Haſt und Angſt umher— vergebens umher, und blieben forſchend und verlan⸗ gend auf dem Manne haften. Und wie er von der


