Teil eines Werkes 
1. Band (1831) Der Unsterblichkeitstrank
Entstehung
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er mit bebenden Lippen; ja, du biſt La⸗Moel und ſeine Augen vergoſſen Thränen; er zog ſie von der Schwelle herab, er umſchlang ſie, er druͤckte ſie an ſeine Bruſt; ſie draͤngte ihn weg, ohne ſeiner Kraft widerſtehen zu koͤnnen. Sie ſah ihm erzuͤrnt in die Augen, zu verſchämt um Huͤlfe zu rufen! Da ließ er ſie los, er hatte ſeinen Irrthum erkannt. Nein, Du biſt es nicht, ſprach er. Aber ſie lebt doch! hier ſteht La⸗mob guf dem Fi⸗tang. Roth wie Feuer verſchwand das Maädchen. Da kam ein Knabe von ohngefähr 10 Jahren, ſah ihn freundlich an, und ſprach zuletzt: Verzeihe mir ja, Du fremder Mann, wenn ich glaube Du ſeiſt arm. Denn das halten die Menſchen thoͤrig fuͤr Schande, ſagt der Vater. Aber ſchmſt Du dich nicht, und willſt Du den Abend⸗ Reis, wenn Du vielleicht den Mittag⸗Reis nicht ge⸗ geſſen, ſo komm; und willſt Du das Nacht-Reisſtroh, ſo bleib! und fruͤhe geb' ich Dir meinen Morgen⸗ Reis, dann ziehe, zufrieden mit uns, wohin Du willſt. Ich laufe die Mutter zu fragen, ob ich auch darf?

Alle dieſe Worte aus kindlichem Herzen hatte der von Gefuhlen Ueberdrängte kaum gehört. Denn lang⸗ ſam und neugierig war ein Weib von ſilbergrauen Haaren herbeigekommen, und ſprach mit weicher, ge⸗ laſſener Stimme, die aus einer Seele kam, in welcher die Geduld die Frucht von langem Dulden zu