Teil eines Werkes 
1. Band (1831) Der Unsterblichkeitstrank
Entstehung
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Strohhut auf dem Haupte, mit blauſeidenem hand⸗ breitem Schattenſchirme beſetzt, auch war ihr langes Gewand blau, aber ein zartes Geſicht, weiß und roſig, laͤchelte zu ihm herab, nickte und hieß ihn ſchweigend gehn. Er kniete auf ein Knie, las die Fruͤchte auf, verbarg ſie im Buſen. Und die Stimme des alten Lehrers ſprach wieder zu dem wahrſcheinlich zu feurigen Lehrling:Fuͤr den Menſchen bedarf es zu Allem nichts als Geduld, Geduld, Geduld! Er macht nichts, er ſchafft nichts; der Himmel bringt Alles. Aber auch Er ſchafft nur heimlich und durch uͤbermenſchliche Geduld! Wir ſitehen nur hier im Fruͤhlingsgarten, die Blumen ſind da, da, wie eine goldgeſtreifte Schnecke, die um ein Eck gekrochen, und die wir plötzich gegen⸗ wärtig erblicken! So langſam kommt Alles durch ſtete verborgene Arbeit, bis es da iſt, wie die goldge⸗ ſtreifte Schnecke; ſo lange ſcheint es zu bleiben, und ſchleicht doch leis und unmerklich voruͤber! Alſo Ge⸗ duld! ſtilles Arbeiten dem Himmel und der Erde gleich, daß wir nicht fehlen, wenn er den Fruͤhling die Erndte fuͤr uns fertig hat.

Der Fremde blieb in das Anſchauen der holden Schoͤnheit verloren, der armen Gefangenen, der wohl ſelten ein Menſch ſich nahte. Die Worte des Alten ſpielten gleichſam Tone aus goldenen Saiten zu ſeinem Gefuͤhle fuͤr ſie. Und doch lag mehr Bewunderung als erwachte Leidenſchaft darin, als er mit dem Haupt die Erde beruhrend das ſchöne Weſen grußte, ſich er⸗