Teil eines Werkes 
1. Band (1831) Der Unsterblichkeitstrank
Entstehung
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Zweigen daruͤber herab ihm entgegen, und mit der Lüſternheit eines Kindes griff er nach einer handfuͤllen⸗ den Frucht. Da hort er drinnen im Garten, ſo als wenn Jemand dem andern ſie lehre, die Worte:So gering Dir ein Fehler ſcheint, doch huͤte Dich ihn zu begehen! Aus der Ueberhebung uͤber Kleinigkeiten ſtammt das ſich ſammelnde große Ungluͤck der Kleinen und Großen! Und ſo wenig wichtig und noͤthig Dir eine gute Handlung ſcheint, doch vernachlaͤſſige nie ſie zu thun. Ich ſage: nie! Denn der Himmel gab ſie Dir auf, und eben jetzt! Du verſaͤumſt Nichts auf Erden daruͤber! Du darfſt die immerreiche Seele nicht ſparen fuͤr Großes! Das Gute verdient unſere Auf⸗ merkſamkeit und Betreibung. O koͤnnte ich das dem Hoang(dem Kaiſer) ſagen, dem alten Hiao⸗Ti! ſeufzte die Stimme ſelbſt eines Alten.

Der Fremde ließ die Frucht los, die er mit einem Gefuͤhl der Hoheit und Ueberlegenheit ergriffen, als konne er Menſchen nichts rauben, als ſei ihnen eine Gunſt, was er wuͤrdige anzuruͤhren. Das Wort er⸗ weckte ihn. Er ſah empor. Auf einem hohen alten rohen Thurme wehte der gelbe Drache, die kaiſerliche Fahne. Noch in einiger Hoͤhe, ging eine Thuͤr aus demſelben in eine mit Eiſenſtäben umgitterte Laube hinaus, und eine Treppe aus ihr in den ummauerten⸗ Garten hinab. Jetzt ſchuttelte eine Hand die Zweige. Fruͤchte fielen heruͤber ihm vor die Fuͤße, dann richtete⸗ ſich ein Maͤdchen in der Laube empor, einen feinen