Teil eines Werkes 
Fünfter Band (1825)
Entstehung
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du biſt nicht jene furchtbare Eumenide, deren Arm ein blutiges Beil ſchwingt. Spanien verdiente die⸗ ſen lezten Ruhm, daß es blos deinen Altaͤren Weih⸗ rauch ſtreut. Edle und reine Goͤttin, ich konnte dich beſingen; doch, ach, ich bin Spanierin, und ps hlos erſt von Hoffnung zu reden!

Welche Zukunft enthuͤllt ſich vor meinen Bli⸗ cken! Woher kommts doch, daß das Elend und die Barbarei zu fernen Himmelsſtrichen entflieht? War⸗ um bedecken ſich auf einmal dieſe unbebauten Felder mit Ernten, dieſe Fluͤſſe mit leichten Barken, dieſe oͤden Gefilde, dieſe ſchweigenden Berge mit frohlichen Choͤren? Mein Sohn wird ohne Feſſeln aufwachſen; ſein Geiſt, der nicht mehr unter Kettengeklirr, ſon⸗ dern unter den ernſten Toͤnen der Volksrednerbuͤhne ſich entwickeln wird, wird ſtolz gen Himmel empor⸗ ſtreben, er wird an den Wettkaͤmpfen des Genie's und der Tugend Gefallen finden, ſo wie der Adler den Glanz der Blitze und das Rollen des Donners aufſucht. Er wird nicht an dem Heerde der Frem⸗ den um ein verborgenes Plaͤtzchen betteln; er wird ſeine Soͤhne an derſelben Staͤte lieben, wo ſeine Vor⸗ fahren lebten. Heilige Freiheit, fordere nicht mei⸗ nen Geſang! Ich bin Mutter, laß mich blos von Hoffnung ſprechen!

Hier hoͤrte man auf einmal ſchluchzen. Unter der Menge befand ſich ein Mann, welcher weinte; es war der Vater des ungluͤcklichen Eſtevan. Alle wur⸗ den geruͤhrt. Maria fuhr indeß weiter fort: