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304 Braͤutigam im Stich gelaſſen zu ſein ſchien, endlich Alonſo und Maria, die ſich gegenſeitig umarmten und ihre ſuͤßen Thraͤnen mit einander vermiſchten, alle vernahmen mit einer Art von Freudetrunkenheit die
Toͤne, die von dem heimatlichen Ufer druͤben heruͤber
klangen. Es war, als ob Spanien ſelber durch Ge⸗ ſang die Ruͤckkehr ſeiner Soͤhne feierte, die ihm ſo lange entriſſen geweſen waren, und unter ſolchen Ausſichten alſo neigte ſich das Jahr 1820 ſeinem Ende entgegen.
Unterdeß erhob ſich uͤber dies vielſtimmige Kon⸗ zert eine einzelne Stimme, die von den leichten Tönen der Gitarre und von dem fernen Brauſen des Oceans begleitet, eine religioͤſe Ruͤhrung in den Herzen aller erweckte, indem ſie folgendes Lied ſang:
„Liebe, Freiheit und Ruhm, darf ich euch jezt wohl ſchon ſingen? Darf ich wohl ſchon das Gluͤck beſingen?— Liebe, Freiheit und Ruhm, nicht fuͤr euch ſtimme ich meine Laute; mein Fuß ſteht ja noch auf dem Fremdlingsboden. Ich will lieber die Hoff⸗ nung beſingen, dieſe Gefaͤhrtin des Verbannten.“
„Sehet dort das heilige Land, wo unſer Herz zum erſtenmal ſchlug, wo unſere erſten Thraͤnen floſ⸗ ſen! Sehet dort die Kinder eines und deſſelben Va⸗ terlandes, an deren Seite wir unter derſelben Fahne
im Kriege geſtritten, von denen der Friede uns als
irrende Fluͤchtlinge fern hinweg trieb! O, dreimal geſegnet ſei uns die goͤttliche Kraft, die bisher unſe⸗ ren Muth aufrecht erhielt! Welches Herz wuͤrde


