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welche zwiſchen zwei Staaten liegen, ganz aufzuhe⸗ ben. Vergebens fragt man hier nach der Faſanen⸗ Inſel. Sie, die blos in der Geſchichte beruͤhmt iſt, wird von den einfachen Landleuten, die ſie taͤglich vor Augen haben, nicht einmal dem Namen nach gekannt. Eine Wieſe, von etwa dreißig Schritt Laͤnge, welche die Bidaſſoa in ihrem Laufe mit ſich fortzureißen droht, ſah einſt einen Don Luis de Haro und einen Mazarin uͤber die Zukunft zweier großer Voͤlker Be⸗ ſchluͤſſe faſſen; ein ſchwarzer Stier, der ſeine dro⸗ henden Hoͤrner im Waſſerſpiegel beſchaut, iſt jezt der alleinige Bewohner eines Platzes, auf welchen einſt die Blicke der Welt gerichtet waren.
Waͤhrend ich zu dem Fluſſe oder vielmehr zu dem reißenden Bergſtrome hinunterſtieg, ſah ich auf der einen Seite deſſelben Wohnungen, welche Wohlſtand verriethen, laͤngs den Wieſen zerſtreut liegen, auf der andern Seiten dagegen, druͤben auf dem ſpani⸗ ſchen ufer, niedrige, ſchwarze, verfallene Huͤtten, welche einen truͤben Eindruck auf das Auge machten. Man braucht nicht erſt dem Wanderer zu ſagen, daß hier das Gebiet der franzoͤſiſchen Revolution zu Ende iſt, und daß dagegen das der Inquiſition ſeinen An⸗ fang nimmt. Gleichwohl verleiht die Majeſtaͤt der umliegenden Berge, der Reichthum der Thaͤler, die Mannigfaltigkeit der Landſchaft, die fernen Kirch⸗ thuͤrme, die unermeßliche Flaͤche des Meeres, die ſich vor dem Blicke entrollt, dies alles zuſammen— ſage ich— gewaͤhrt einen Anblick, der eben ſo ma⸗ jeſtaͤtiſch iſt wie der Gedanke, daß ſich hier zwei Reiche
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