Teil eines Werkes 
Fünfter Band (1825)
Entstehung
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gen wieder ein, der ſie ſelber niedergeſchrieben, und war ſehr erfreut, daß ſie fuͤr dieſe Darbringung ei⸗ nige freundliche Worte aus dem Munde des Fremden empfieng, von dem der Ruf ſo viele Wunderthaten erzaͤhlte. Die Volksmenge blieb ſtumm und ehrer⸗ bietig vor dieſer niedrigen Behauſung, vor welcher ſie ſonſt immer geflohen, vor dieſem Geaͤchteten ſte⸗ hen, den ſie ſo lange verachtet hatte; allein dieſer Geaͤchtete war ja ein großer Buͤrger des Staats, und dieſe einfache Wohnung diente ungluͤcklichen Ed⸗ len zum Zufluchtsort. Die Blicke aller waren dar⸗ auf hingerichtet, alle Herzen klopften, alle Augen wurden thraͤnenfeucht Nein! die Tugend iſt kein leerer Name; ſie hat ebenfalls ihren bezaubern⸗ den Reiz. Nur iſt ihre Macht nicht eine von denen, die eines aͤußeren Prunks, oder des Aufſehens, oder der Gewaltſtreiche beduͤrfen, um Eindruck auf die Gemuͤther zu machen. Sie entzuͤckt die Menſchen blos dadurch, daß ſie die Tugend iſt, und ihre Herr⸗ ſchaft, anſtatt mit der Zeit in Verfall zu gerathen, gewinnt mit den Jahren, mit den S im⸗ mer mehr an Kraft.

Unterdeß erfuhr Alonſo von dem Erzbiſchofe, welches Geſchaͤft ſein Vaterland ihm auftragen wolle. Antonio und Bartolomeo hatten es ihm blos auf eine verwirrte Weiſe mitgetheilt, und er war demzufolge mit ſeiner Gattin zum Altar geeilt, um da vorerſt ſeine Ueberraſchung und Dankbarkeit an den Tag zu legen. Jezt, wo er Don Iſidro anhoͤrte, fielen ſeine Blicke zufaͤllig auf die ſchmachvollen Merkmale,