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„Wir wiſſen nichts von alle dem, was außer dem umkreis dieſer Mauern vorgeht,“ ſagte Fray Vi⸗ cente zu mir;„die ſeltſamſten Fabeln, die abge⸗ ſchmackteſten Geruͤchte ſind bisweilen im Umlauf, und wir werden nur dann daruͤber enttaͤuſcht, wenn ſie fuͤr dasjenige unguͤnſtig lauten, was gewiſſe Koͤ⸗ pfe fuͤr die Sache des Glaubens anſehen.“ Wir traten in die Bibliothek. Ein alter Weltgeiſtlicher befand ſich in derſelben ganz allein. Seine feurigen Augen traten eben ſo ſtark aus ſeiner von Runzeln durchfurchten Stirn hervor, als er ſelber uͤber einen Haufen alter Buͤcher hinwegragte, von denen ſein ſchwarzes Scapulier den weltlichen Staub abwiſchte. So wie er uns erblickte, eilte er auf uns zu, indem er mit großer Anſtrengung einen Folioband in ſeinen zitternden Haͤnden hielt.„Eine bewundernswuͤr⸗ dige Entdeckung!“ rief er uns voll Eifer zu;„da ſehet einmal! Sanct Thomas von Aquino de Regimine Principum, lib. 1. c. 6. Rex potest destrui, vel refrenari ejus potestas; doch nur unter einer gewiſſen Bedingung, und hier ſteht ſie: vel refrenari ejus potestas, si.... merket wohl auf: si potestate regia tyrannice abuta- tur. Das ſteht alſo feſt; der große Sanct Thomas iſt fuͤr uns. Da habe ich denn fur unſern hochwuͤr⸗ digen Prior, der immer mit Citaten aus den Schrif⸗ ten der Vaͤter bei der Hand iſt, einen Beweis ad hominem. Sehet ihr wohl dieſe Bemerkungen hier?“ fuhr er weiter fort, indem er mit dem Finger auf einen ganzen Stoß von fliegenden Blaͤttern hin⸗


