17
ſprecht,“ erwieberte ich,„ſehr leichtfinnig von Men⸗ ſchenleben; mein Freund hat ja noch eine Mutter.“ Die Aebtiſſin ward dadurch erſchuͤttert, und Thraͤ⸗ nen rollten aus ihren Augen. Ich machte mir Vor⸗ wuͤrfe wegen der Antwort, die mein verletztes Freund⸗ ſchaftsgefuͤhl mir eingegeben hatte; doch Fray Ca⸗ yetano faßte ſie bei der Hand und ſagte:„Ehrwuͤr⸗ dige Schweſter, ſchlaget euch dieſe traurigen Ruͤck⸗ erinnerungen aus dem Sinne. Die Kinder, die Euer Excellenz verlor, ſind in den Schooß Gottes zuruͤckgekehrt; eure Soͤhne konnten dieſe Welt nicht verlaſſen, ohne der ewigen Gnade theilhaftig zu wer⸗ den.“ Meine Tante faßte ſich bei dieſen Worten wieder und antwortete:„Mir war, als haͤtte ich in der Markiſin eine Tochter wiedergefunden, ſo viel Freude machte ſie mir. Ich vergaß, wie weit die Vor⸗ ſehung ihre Wiege von dem Range fern geſtellt hat⸗ te, zu welchem der alte Thor, mein Schwager, ſie nachmals erhoben hat; ich vergaß, daß ihre Fami⸗ lie vormals mit der Inquiſition Haͤndel gehabt hat. Allein, man mag es machen, wie man will, der Deu⸗ fel weiß ſich immer wieder ſeine Rechte zu verſchaffen. Alonſo hat die Religioſitaͤt ſeiner Schweſter verderbt, und ich preiſe mich gluͤcklich, daß ich hienieden nicht mehr mit ihr zuſammenleben darf, da ich dort oben gewiß nicht mit ihr zuſammentreffen werde.“
Sir Georges trat herein. Bei ſeinem Anblick erglaͤnzte ein Laͤcheln auf dem finſtern Geſichte des Fray Cayetano, und die ehrwuͤrdige Mutter empfieng ihn mit den lebhafteſten Freundſchaftsbezeigungen.
v. 2


