iſt eben ſo wie die Religion, die Freiheit, das Da⸗ lent, ja wie alles andere, was den Ruhm unſerer Vaͤter ausmachte, aus unſerer Nitte hinweggeſchwun⸗ den. Religion und Liebe ſind einander ſehr nahe verwandt, von beiden iſt nur noch der rohere und ſinnlichere Beſtandtheil uͤbrig geblieben, und beide haben ſich, ſeitdem ſie faſt ganz aus den Herzen ver⸗
draͤngt ſind, in die Schriften und Buͤcher gefluͤchtet. Gleichwohl könnt ihr glauben, daß es noch immer liebende Herzen giebt. Die Empfindung, die ich 3. B. hege, iſt eine heilige Glut der Art⸗ Vielleicht hat es euch geſchienen, als wuͤrde ich dem Dienſte untreu, den ich der Herrin meines Daſeins widme; doch nein, ich machte es vielmehr ſo wie die alten Philoſophen, die, waͤhrend ſie ihren Weihrauch und ihre Opfer an den Altaͤren der falſchen Goͤtter dar⸗ brachten, in ihren Gedanken jenem hoͤchſten Weſen huldigten, das ſie allein zu tegreifen und anzubeten verſtanden.“
Dieſe Erklaͤrung entlockte mir ein Lächeln. Don Carlos hatte unterdeß etwas Brantwein und Cigar⸗ ren herbeigeholt, und ſich mir gegenuͤber an den Heerd hingeſetzt. Hierauf fuhr er weiter fort:
„So wie ihr mich hier ſehet, hege ich blos die reinſten und heiligſten Neigungen, und werde nie an⸗ dere hegen, und zwar darum, weil ich die Ehe in Gedanken habe, und zwar eine Ehe in dem Sinne, wie ſie von meines gleichen nicht immer aufgefaßt wird. Es giebt bei uns zweierlei Arten von Heira⸗ then. Voran ſtehen die der Pergamente; man ſetzt


