254 Franzoſen vergaßen beim Anblick ſeines Elends all das Unheil, das er ihnen zugefugt hatte. Jeder ſuchte aus ſeinem Torniſter ein Stuͤck Brot fuͤr die kleine Paquita und ihren Vater heraus, die ſoge⸗ nannte Vorſehung nahm den Saͤugling der frem⸗ den Frau und legte ihn an ihre eigene Bruſt, an welcher ſie ihr eigenes Kind ſaͤugte, und ein Wund⸗ arzt eilte herbei, um die Wunden des furchtbaren „Großrichter's“ zu verbinden. Doch der Arago⸗ nier ſtieß ihn von ſich, verſchmaͤhte das Brot, das ihm die Franzoſen anboten*) und rief:„Ich wollte lieber meine Kinder und ihre Mutter todt, als durch euch ernaͤhrt ſehen; was mich betrifft, ſo werde ich bald nichts mehr brauchen.“ Die Soldaten wuß⸗ ten nicht, ob ſie dieſen wilden Muth bewundern, oder dieſen halsſtarrigen Haß beſtrafen ſollten. Ich da⸗ gegen betrachtete traurig dieſe feurige, ſonſt ſo ſchone und lebhafte Gitana, deren ſtummgewordener Mund jezt keine Hrakelſpruͤche mehr ertheilte, und nicht mehr die Gefuͤhle dieſes leidenſchaftlichen Gemuͤths ausſprach, worin ſich alle die großartigen Character⸗ zuͤge des rohen Naturzuſtandes der Menſchheit aus⸗ gepraͤgt zu haben ſchienen. Mit der einen Hand hielt ſie den Arm ihres Mannes feſt umſchlungen, er dagegen hatte ſein Auge, das vor jeder Ruͤhrung
) Dieſe ganze Scene iſt auf kien Gemälde dargeſtellt, das im Muſeum zu Madrid häugt. Obwohl es in Hinſicht auf Zeich⸗ nung und Kolorit keinesweges tadelfrei iſt, ſo iſt es doch das einzige Kunſterzeug niß von Verth, welches die lezten Jahre hervorgebracht haben. 2


