253 „Hoͤchſt wahrſcheinlich wird jeder von uns bald eben ſo raſch befoͤrdert werden, wie dieſer.“
Alle Haͤuſer ſtanden verlaſſen, und es war kein lebendes Weſen weiter darin, als ein Schaͤferhund, welcher herbeilief und unter ſeine freudigen Liebko⸗ ſungen ein klaͤgliches Geheul miſchte. Er lief vor unſern Soldaten her, als wollte er ſie fuͤhren, und blieb endlich an der Schwelle einer Strohhuͤtte ſtehen, in welche er durch ſein klaͤgliches Bellen die Soldaten hineinlocken zu wollen ſchien. Einige Soldaten gien⸗ gen hinein, Matea that desgleichen. Sogleich aber rief ſie mich herbei mit dem Ausruf:„Es lebt noch ein raͤchender Gott, mein Geheimniß wird geborgen bleiben.“ Ich naͤherte mich und erblickte eine Frau, die auf die Erde hingeſtreckt war; neben ihr lag ihr kleiner Sohn, der ſo eben verſchieden war, eine et⸗ was erwachſenere Tochter nagte ſterbend an dem Arme ihres entſeelten Bruders, und ein drittes Kind, das eben erſt geboren worden zu ſein ſchien, hielt mit ſeinen ſchwachen Haͤndchen den muͤtterlichen Buſen feſt, doch ſeine muthlos gewordenen Lippen ſogen nur noch von Zeit zu Zeit an der Bruſt, deren naͤh⸗ render Milchſtrom bereits verſiegt war. Neben ihr ſaß ganz blaß ihr Mann, im Blute ſchwimmend, von Hunger und Gram entſtellt, aber ſelbſt jezt noch Zorn funkelnde Blicke um ſich werfend. Die Soldaten erkannten ihn fuͤr Bartolomeo. Im lezten Gefecht war er mit ſeiner Gattin verwundet und genoͤthigt worden, mit ihr einen Zufluchtsort zu ſuchen, wo ſie ſehr bald vom Hunger befallen wurden. Die


