64
am Thor von Santa Varbara zu verſammeln, um die wuͤrdigen Vertheidiger Gottes und des Koͤnigs mit gewaffneter Hand zu begleiten. Zulezt ſchloß er mit den Worten: uͤbrigens ſei es noch nicht ge⸗ nug, daß Kaſtilianer fremdes Blut vergoͤſſen, ſon⸗ dern auch das ihrige muͤſſe unter der Poͤnitenz⸗ Geiſſel fließen, um der Rache eines erzuͤrnten Got⸗ tes zu genuͤgen.
Bei dieſen Worten ließen alle auf einmal ihre Kleidungsſtuͤcke fallen, und jeder Glaͤubige fieng ſo⸗ fort an, mit dem Buͤßungsriemen bewaffnet, die nackten Schultern ſeines vor ihm knieenden Mitbru⸗ ders mit heftigen Schlaͤgen zu zerfleiſchen. Jeder ſchlug den andern und ließ ſich ſchlagen, eine Art von Rivalitaͤt in der Buͤßung befeuerte ſie, und es war, als empfaͤnde der Leidende ein Beduͤrfniß, die unerbittliche Strenge ſeines Peinigers an ſeinem armen Schlachtopfer zu ahnden. Jede Woche, und zwar jedesmal an dem Tage, an welchem Chriſtus am Kreuz geſtorben iſt, ſieht das Kloſter, wohin mich der Zufall gefuͤhrt hatte, dieſe frommen Geiſſelun⸗ gen, waͤhrend eine andere Kirche für inbruͤnſtige Frauen zu denſelben erbaulichen Zwecken geoͤffnet iſt. Dieſe gegenſeitigen Strafvergeltungen fuͤhrten mir den Aufenthalt im Escurial wieder vor die Seele; doch gerade dieſe Kloſtererinnerungen dienten, an⸗ ſtatt mein neues Daſein in meinen Augen zu verſchoͤ⸗ nern, oder anſtatt meiner Freiheit und meiner be⸗ deutenden Stellung einen Werth zu geben, vielmehr dazu, in mir eine Sehnſucht anfzuregen. Ich fragte


