Teil eines Werkes 
Vierter Band (1825)
Entstehung
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28 Mordgier zu ſaͤttigen. Maria benihte ſich jezt eben ſo ſehr, ihr Feuer zu maͤßigen, als ſie fruͤher es an⸗ zufachen geſucht hatte. Dieſe zweite Klorinde, die durch die Schatten der Nacht an ihrem ſtolzen Roſſe, an ihrem im Winde flatternden Schleier und an der weißen Schaͤrpe, die von ihren Huͤften herabhieng, leicht zu erkennen war, ſtand zwiſchen den beiden Schlachtreihen und ſprach mit Thraͤnen:„Schießt zu! Doch eure erſten Kugeln werden mich treffen.“ Und in groͤßerer Entfernung rief die Gitana, die ſich um der Gefahr willen mehr im Hintergrunde hielt, aber doch uͤber die Saͤumniß unwillig wurde: „Schießt immer zu! Fuͤr jeden Kaſtilianer muͤſſen zehn Franzoſen ſterben.“

Dieſe Frauenſtimmen, benen unſere Vorſe⸗ hung mit Kriegsliedern antwortete, und die blos von Zeit zu Zeit von dem gellenden Geſchrei der klei⸗ nen Paquita uͤbertoͤnt wurden, die immerfort rief: „Es ſind ihrer blos dreihundert!“ unterbrachen al⸗ lein die Stille, die zwiſchen den beiderſeitigen Trup⸗ pen herrſchte. Endlich erfolgte darauf ein Knall.

Bertrand hatte naͤmlich dies Zoͤgern, deren Ur⸗ ſachen er nicht kannte, benutzen wollen, und daher denn dies plotzliche Gewehrfeuer, das den Tod in die Reihen Maria's, und Schrecken und Entſetzen in mein und Alonſo's Herz trug. Ich vermochte blos mein Haupt auf die bruͤderliche Bruſt herabzu⸗ neigen, und diesmal ſtieß mich der— meiner Kindheit nicht mehr von ſich.