260 bilden, alle Schranken, welche der religioſe und poli⸗ tiſche Druck um uns her gezogen hatte, um uns von dem uͤbrigen Europa und von unſerem Jahrhundert zu ſondern, werden ſo ohne Kampf zerſtoͤrt, und morgen ſchon wird die Preßfreiheit, dieſe Mutter aller uͤbrigen Freiheiten, unter uns herrſchen.“—„Ja, ihre Herrſchaft beginnt bereits,“ unterbrach ihn lebhaft der junge Eſtevan;„ja, die Zunge des Spaniers, die ſeit drei Jahrhunderten ſtumm war, wird nun entfeſſelt werden, und ſein Ohr wird voll Staunen die Grundſaͤtze der allgemeinen Wiedergeburt oͤffentlich ausſprechen hoͤren. Schon hat ein Buchdrucker mir verſprochen, mein koͤſtliches Werkchen unter ſeine frei⸗ gewordene Preſſe zu nehmen, und dieſer Koran der neuen Wiedergeburt der buͤrgerlichen Geſellſchaft wird nun, Dank ſei es dem Schutze der philoſophiſchen Ba⸗ jonette des Großherzogs von Berg, das Licht der Welt erblicken.“
Die Puerta del Sol betrachtete mit einmuͤthigem Wohlbehagen die franzoͤſiſchen Fahnen. Blos Don Diego betruͤbte ſich daruͤber, daß er im Herzen Spa⸗ niens Soldaten ſehen mußte, deren Vorfahren vor einem Jahrhundert fuͤr die Dynaſtie Ludwigs des Vierzehnten gefochten hatten, und Don Iſidro heftete nicht ohne einiges Mistrauen ſeine Blicke auf dieſe Kriegsſchaaren, welche alle Neuerungen Frankreichs vor dem Zorne des geſammten Europa's geſchuͤtzt hatten; indeß er hoffte, die franzoͤſiſche Beſitznahme wuͤrde nicht von langer Dauer ſein und die neue Re⸗ gierung nur noch mehr befeſtigen. Ich theilte ihm


