259
ſeine Treuloſigkeit eben ſo groß ſei, als ſeine Macht, ſo wurden wir dies als eine Schmaͤhung auf die Wuͤrde der menſchlichen Natur betrachtet haben. Madrid ſah alſo unbekuͤmmert, ja mit Vergnuͤgen, die Waf⸗ fengefaͤhrten des Siegers von Deutſchland und Italien einruͤcken.
Don Domingo ſagte zu mir:„Sehet einmal die Anfuhrer dieſer Kohorten an, dieſe beruͤhmten Gene⸗ rale, die aus den Stuͤrmen der Revolution hervorge⸗ gangen, und großherzig dieſelbe gegen die Angriffe eines feindſeligen Waffenbuͤndniſſes geſchutzt haben. Dieſe Helden der Freiheitskriege können unmoͤglich in der Abſicht zu uns kommen, um uns Feſſeln zu brin⸗ gen; das hieße ja ihren eigenen Urſprung Luͤgen ſtra⸗ fen, ihren eigenen gluͤcklichen Erfolg verdammen, ihren eigenen Ruhm abſchwoͤren. Indem Napoleon jene alten Krieger, die vor funfzehn Jahren die franzoͤſiſche Republik gegen unſere ungerechten Waffen beſchuͤtzten, an die Spitze des Vortrabs ſeines Heeres ſtellt, will er uns im voraus die Bahn bezeichnen, welche ſeine Politik einzuſchlagen gedenkt. Unmoͤglich konnen die⸗ ſelben Menſchen in zwiefacher Abſicht auf einem und demſelben Boden erſcheinen, geſtern zu Gunſten einer Staatsverbeſſerung, heute zu Gunſten der Tyrannei bewaffnet. Dnnrch ſie haben ſich ja bereits die Pyre⸗ naͤen gebahnt; nun wird ein Strom von Aufklaͤrung ſich uber unſere Provinzen ergießen; die Inquiſition und ein franzoſiſches Feldlager konnen nicht neben einander beſtehen. Nach dem Vorbilde Frankreichs wird ſich unter uns eine weiſe und kraftvolle Staatsverfaſſung


