53 dich in ihre finſtern Komplotte zu verwickeln. Ich zittre vor dieſen Anſchlaͤgen— fuhr ſie mit ſteigender Unruhe fort;— dem Stolz und dem Ehrgeiz, welche die Quellen deſſelben ſind, fehlt es nicht an verfuͤhre⸗ riſchen Masken. Es giebt ſogar Frauen, die in die⸗ ſem Drama eine ſehr bedeutende Rolle ſpielen.“
Vergebens bat ich Maria, mir alles zu ſagen, was ſie denke; eine Wolke, die ſich uͤber ihre Stirn hinzog, betruͤbte mein liebendes Herz. Ich ſah jezt nur zu ſehr ein, daß wir beide einem und demſelben Vorurtheil hingegeben waren, und zum erſtenmal in unſerem Leben ſchienen unſere Herzen einander nicht zu trauen. Endlich ſchluͤpfte der Name der Graͤfin aus meinem Munde; ich ſuchte die lebhafte Bewunde⸗ rung auszudruͤcken, die ich fuͤr ſie fuͤhlte. Meine Schweſter erroͤthete. Die mir raͤthſelhafte Unruhe, die mich vorher ſchon an ihr befremdet hatte, ſchien einen bedeutenderen Platz in ihrer Seele⸗einzunehmen, als ich geglaubt hatte. Inunſer ganzes Benehmen und in unſere Unterhaltung trat ein gewiſſer Zwang ein, und wir waren nicht mehr wie ſonſt beiſammen gluͤck⸗ lich. Ich entfernte mich von ihr, indem ich mich in einer Neigung verletzt fuͤhlte, welche bisher die Haͤlfte meines Daſeins ausgemacht hatte. Das Gluͤck, wel⸗ ches mir durch Matea und durch die Liebe zu ihr gewor⸗ den, empfing den erſten Stoß durch dieſe ſchmerzliche Empfindung, die mit jedem Tage fuͤr mich druͤckender wurde, da ſie den Zwiſchenraum immer mehr erwei⸗ terte, den ein Geheimniß zwiſchen mir und meiner ge⸗ liebten Freundin hervorgebracht hatte.


