Wir kamen endlich an dem Fuße der Sierra Mo⸗ rena an. Die Lenzduͤfte Andaluſiens und alle holde Anmuth des Fruͤhlings war in der wunderſchoͤnen Ge— gend vereinigt, in welcher unſere Tagereiſe diesmal endigte. Eine ſeltſame Ruͤhrung erfuͤllte die Augen und die Bruſt Matea's.„In deinem Herzen, ſagte ſie zu mir, giebt es Dinge, die mich in Schrecken ſetzen. Du glaubſt mich zu lieben! Doch nein, mich liebſt du nicht.“ Sie lächelte traurig und fuhr dann weiter fort:„Alonſo, ich finde eine hohe Wonne darin, dich vor mir auf den Knieen zu ſehen, ich, die ich nicht den Meerſtuͤrmen getrotzt, nicht dem Kriege die Stirn geboten, nicht die Kreolen und Eng— laͤnder habe uͤberwinden helfen! Du biſt zu meinen Fuͤßen, und wirſt auch da bleiben; meine Ruhe und mein Stolz will es.“ So ſprach ſie; ihre Worte er⸗ ſtarben ihr auf der Zunge, ihre Kaͤmpfe und meine Folterqualen hatten damit ihr Ende erreicht.
Seit dieſem Augenblick ſah ich beſtaͤndig einen an⸗ maßenden, bisweilen ſogar beleidigenden Zorn aus den Blicken und Reden der Camarera*) hervor⸗ ſchimmern, die uns nebſt dem Kapellan und der klei⸗ nen Graͤfin in einem Wagen begleitete. Matea hatte vor ihr eben ſo wenig ein Geheimniß, als vor ihrem Geleiter. Dieſe Art von Menſchen machs bei uns noch immer dieſelben Anſpruͤche und nimmt ſich dieſelben Vertraulichkeiten heraus, wie die Kammerdiener in franzoͤſiſchen Luſtſpielen, und ſie koͤnnen es niemandem
*) Kammerfrau.


