Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1825)
Entstehung
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geben kann, ohne darauf zu achten. Immer ſtaͤrker innerlich bewegt, und doch immer weniger nachſichtig gegen meine Liebe ſich zeigend, war ſie mir fortwaͤh⸗ rend ein ſeltſames Raͤthſel.„Machet,“ ſagte ſie zu mir,„daß ich eure Freundin, eure Leiterin, eine zweite Schweſter fuͤr euch ſein kann.“ Die Worte „eine zweite Schweſter“ wiederholte ſie, indem ſie da bei einen vielſagenden Blick auf mich warf, der bis in den Hintergrund meines Gemuͤths dringen zu wol⸗ len ſchien. Ein andermal nahm ſie mich bei der Hand, und gab auf meine Bitten zur Antwort:„Huͤtet euch ja, zu wuͤnſchen, daß Matea euch lieben ſoll. Wir ſind nicht gleich an Jahren, und koͤnnen folglich auch nicht ein gleiches Loos haben. Es koͤnnte einſt ein Tag kommen, wo unſere Verbindung euch laͤſtig wer⸗ den könnte; meine Liebe zu euch wuͤrde jeden Augen⸗ blick fuͤrchten, dieſer Tag ſei bereits angebrochen, und ich wuͤrde dann nur noch fuͤr die Verzweiflung und fuͤr die Rache leben koͤnnen.“

Die Liebe, dieſe treue Gefaͤhrtin der Jugend, iſt eingebildet und unvorſichtig wie dieſe; ſie zweifelt we⸗ der an der Zukunft, noch an ſich ſelber. So ver⸗ ſchwendete denn auch ich, der ich in einem Meere ſuͤßer Taͤuſchungen ſchwebte, die kuͤhnſten Verſprechungen. Aber das iſt gerade der Fehler der meiſten Maͤnner, und ein Geſchlecht, das ohne Schwierigkeit den Ver⸗ ſicherungen der Liebe glaubt, und ſie beſſer als wir zu halten verſteht, muß oft ſein ganzes Leben hindurch durch Kummer und Reue dafuͤr buͤßen, daß es dereinſt unſern Schwuͤren traute.