Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

ohne daß ſich abſehen ließ, wie dieſer wichtige viat vertheidigt oder wiedererobert werden koͤnne.

Ich wußte nicht, daß damals mein Bruder unter den Mauern dieſer Stadt focht, um uns den beſchwer⸗ lichen Ruhm zu retten, daß wir in einer Entfernung von zweitauſend Seemeilen noch Königreiche beſäͤßen, während wir in Europa aufhoͤrten, unter den Staaten des erſten Ranges zu figuriren. Unſere Armeen wa⸗ ren aus Mangel an Brot und Kleidung ſo gut wie aufgeloſt, unſere Feſtungen verfielen in Ruinen, alle öffentlichen Unternehmungen waren ins Stocken gera⸗ then, alle Gehaltszahlungen waren ausgeſetzt. Ver⸗ gebens pluͤnderte Godoy die oͤffentlichen Kaſſen, die Banken, die Kirchen und die milden Stiftungen. Dieſe Beraubungen dienten blos dazu, um den Geiſt der Verzweiflung und des Aufruhrs unter alle Staͤnde des Staats zu verbreiten. Vergebens vervielfaͤltigte er die Steuern, die erzwungenen Anleihen, das Pa⸗ piergeld; alle dieſe Auskunftsmittel einer in Ohnmacht ſinkenden Tyrannei, ſteigerten blos das Elend und den Haß der Unterthanen, ohne den Schatz des Mo⸗ narchen zu fuͤllen. Auf dem Haupte des jungen Fer⸗

dinands und der großherzigen Antonia allein ruhten,

obwohl einer Mutter zum Trotz, die letzten Hoffnun⸗ gen des Vaterlandes.

Einſt wurden wir auf einmal in den Chor gerufen, um den Todtengeſang anzuſtimmen. Die Erbin der ſpaniſchen Monarchie war nicht mehr. Eine frevel⸗ hafte Hand,— ach, und welche Hand, großer Gott!— hatte, ſo hieß es, den Tod unterſtutzt,