Teil eines Werkes 
Erster Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

einzige, was dieſe glaͤckliche Gegend anerkennt— den Vorzug, auf einem Schemmel zu ſitzen, die uͤbri⸗ gen liegen auf den Knieen, und, als ob die Entfer⸗ nung ſie noch nicht genug vor den Blicken der Maͤn⸗ ner und vor irdiſchen Weltgedanken ſchuͤtzte, huͤllen alle, vom erſten Glockenklange an, ihren Kopf in ein langes Stuck ſchwarzes Tuch, das bis auf die Erde herabhaͤngt.

Ich wurde in den Betrachtungen, welche mir die einfache Wurde des Ortes einfloßte, durch den Anblick eines Mannes geſtoͤrt, der in ſeinem ganzen Weſen und in ſeinem Blicke irgend etwas auffallen⸗ des hatte. Er war nicht bei den andern Maͤnnern. Unten an einer der beiden Treppen, die zur Gallerie der Maͤnner emporfuͤhren, daſtehend, und mit der einen Hand auf den ſteinernen Weihkeſſel geſtutzt, ruhte er mit ſeinen großen ſchwarzen Augen faſt un⸗ unterbrochen auf einer jungen Frau, die vor ihm hingekniet war. Es war die einzige, die ſich in ſei⸗ ner Naͤhe befand, und rings um beide her war ein leerer Raum, obwohl die Schaaren der Glaͤubigen auf allen anderen Punkten dichtgedraͤngt und bis in die Mitte des Kirchhofs hinaus ſtanden. Die Dorf⸗ bewohnerinnen, die dem Unbekannten noch am naͤch⸗ ſeen waren, ſchienen durch irgend eine geheime Un⸗ ruhe von der dem heiligen Amt gebuͤhrenden Aufmerk⸗ ſamkeit abgezogen zu werden. Ihre Aengſtlichkeit entgieng ihm nicht, und ſein Geſicht, das von einer ernſten Schoͤnheit war, uͤberließ ſich einem Lächeln, worin ſich zugleich etwas Ironie und große Traurig⸗