Kaunitz trat zurück, im weiten Kreiſe um ihn die Geſellſchaft. Er las: „Die philoſophiſche Kaiſerin. „Bis in den fernen Norden Dehnt die Philoſophie ihr Reich, Predigt unter Sklavenhorden, Die Menſchen ſind alle gleich. Im Hermelin thront ihre Schülerin In dem Palaſt der Czaaren, Sie ſchwört,— daß alle Menſchen Gleich— vor ihrem Herzen waren.“ Der ganze Kreis lachte. „Eine Kriegserklärung in Verſen!“ rief die Ruſſin, „meine Herrſcherin nimmt ſie an.“ „Wir lachen, ohne daß wir die Bohnenkönigin um Erlaubniß gefragt haben,“ ſprach der König. „Sie verzeihen,“ ſetzte die Marquiſe lachend hinzu, „aber— ha! ha! ha!“ „Leſen Sie weiter,“ befahl die Fürſtin ruhig. „Die Finanzmarquiſe!“ „Wie?“ rief die Marquiſe. „Die Finanzmarquiſe,“ wiederholte er. „Das ſind Sie, liebe Pompadour,“ ſagte der König lachend. „Abſcheulich!“ rief dieſe zornig.„Leſen Sie, leſen Sie!“ Kaunitz las: „Ihr Onkel war ein General, Der Pächter der Finanzen, Es konnte füglich ihr Gemahl Nur Onkels Tänze tanzen!“
Teil eines Werkes
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
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