„Sie ſind allein, Fürſtin?“
Sire
Der König ſtand in ihrem Anblick verſunken.
„Ihre Augen ſind wirklich wie arabiſche Märchen. Man möchte ſie ſich erzählen laſſen tauſend und eine Nacht.“
Er warf ſeinen Mantel ab, und näherte ſich der ſchönen Ruſſin.„Sie haben mir vergeben?“ fragte er.
„Wir Frauen verzeihen ſo gerne Beleidigungen, welche Huldigungen ſind!“
„Dies gibt mir Muth,“ antwortete der König.
„Wozu, Sire?“ fragte ſie mit einer Majeſtät, vor der er ſich beugen mußte.
„Sie— Sie wieder zu beleidigen,“ entgegnete Ludwig.
Die Woronzow lachte, aber im nächſten Augenblicke ſchrak ſie zuſammen, und ſah ängſtlich um ſich.
„Wird ſind doch allein?“ fragte der König.
„Es hat Sie wohl Niemand geſehen, Sire?“
„Ich glaube doch,“ meinte er verlegen.
„Mein Gott!“
„Ein Mann mit einem großen Stocke,“ fuhr er fort.
„Es war Kaunitz!“ rief ſie,„oh Sire! ich habe Ihnen viel geopfert— meine Ehre!“ ſie ſank in den Lehnſtuhl und preßte das Tuch vor die Augen.
Der König warf ſich vor ihr nieder.„Sehen Sie mich knieen,“ rief er,„mit Ihnen klagen, mit Ihnen weinen, giebt es denn kein Mittel, kein Mittel, die Welt zu täuſchen?“
Die Fürſtin erhob ſich.„Ja es gibt ein Mittel!“


