Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Epigramme! klagte der Geſandte.

Sie gelingen Ihnen und dann

Dann? wiederholte er mit einem verliebten Blicke auf die Fürſtin.

Dann! rief ſie mit einer Koketterie, gegen die der preußiſche Geſandte nicht gewaffnet war,dann!

Sie ſchritt majeſtätiſch in dem Saale auf und ab, während Knyphauſen Feder und Papier nahm, und ſich an⸗ ſchickte, die befohlenen Epigramme zu ſchreiben.

Ich ſoll Satyren ſchreiben! ich! lautete ſein ſchwer⸗ müthiges Selbſtgeſpräch,ich! auf die Fürſten! ich werde noch ſelbſt zur Satyre, mir fällt nichts ein, gar nichts! Er grübelte, tauchte die Feder ein und ſpritzte ſie wieder aus, er zerkaute ihren Bart vergebens! Jetzt faßte er über⸗ raſcht ſeine Stirne.Ah! mir fällt doch etwas ein. Er zog ein kleines Heft hervor.Da da ſind ſie ja fertig die Epigramme, klein, giftig, auf alle Fürſten Europas. Da ſind ſie in den Verſen Friedrich des Großen. Oh, warum bin ich nicht Friedrich der Große! Er ſeußzte tief.

Es war gewiß das einzige Mal, daß der König um ſein poetiſches Talent beneidet wurde.

Ich habe es! ich gebe die Verſe des Königs der Fürſtin als meine Verſe. Da ſind ſie ja! Epigramme genug, er blät⸗ terte haſtig in dem Hefte,Ludwig XV., die Pompadour, die Czaarin wenn ſie aber erfährt? die Liebe entſchuldigt Alles. Wenn aber mein König erfährt, daß ich es iſt ein literariſcher Diebſtahl, ein unerhörter literariſcher Diebſtahl! ich ſtehle ſeine Verſe der Geſandte die Verſe ſeines Königs die Liebe entſchuldigt Alles! Noch ein hielt

Sacher⸗Maſoch, Kaunitz. II.