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„So einem Dichter wird jeder Vers zum Liebespfeile,“ ſagte die Ruſſin.
„Ich verzweifle!“
„Verzweifeln!“ rief ſie,„ein Mann von Geiſt?“
Dankbar lächelte Knyphauſen, dann ſtöhnte er wieder: „Ich ſoll Satyren ſchreiben?— ich?— Oh)l ich ſchreibe ſie, bogenlange, grimmige Satyren.“
„In hundertfünfzig Stanzen,“ ſpottete die Fürſtin,„Sie kämpfen im Jahrhundert des Voltaire mit Elephanten, wie König Pyrrhus. Inſekten, kleine Epigramme tödten auch.“
„Hätte ich nur eine Idee,“ ſeußzte er.
„Ich will Ihnen eine geben: Die Fürſten des Welt⸗ theils.“
„Wie?“
„Eine Satyre auf alle Herrſcher Europas.“
„Ich verſtehe,“ ſtotterte er,„die Idee kann einem aber den Hals koſten.“
„Der Gedanke entzückt Sie mit Recht,“ fuhr die Fürſtin mit boshaftem Lächeln fort,„Ludwig XV. und die Pom⸗ padour, klingt das nicht ſchon wie eine köſtliche Satyre? Ja, Sie werden eine ſchreiben!“
„Eine Reihe kleiner Epigramme!“
„Klein!“ ſeufzte Knyphauſen.
„Und giftig!“
„Giftig,“ ſtammelte er.
„Sie überraſchen mich damit,“ ſagte die Ruſſin,„noch ehe meine Gäſte kommen.“ Sie eilte zu ihrem niedlichen Schreibtiſch.„Hier iſt Feder, Tinte und Papier.“


