„Nun?“
„Ach! daß— daß ich Sie— liebe,“ ſtieß er mühſam heraus.
„Sie lieben mich?“
„Ja!“ ſagte er,„denn Ihre Augen und die Himmels⸗ lichter—“ er entfaltete die Ode, aber er hielt ſie verkehrt in der Hand,„die in dem blauen, blauen— Walde glaube ich, des blauen Himmels mit blauen Strahlen.“
Die Fürſtin trat zu ihm und blickte in die Ode.
„Verſe!“ rief ſie,„Verſe! Wer hat Ihnen denn ver⸗ rathen, daß Verſe mich beſtechen, berauſchen, verführen— Verſe!“
„Hundertfünzig Stanzen,“ ſprach Knyphauſen. Die Fürſtin wendete ſich enttäuſcht ab.
„Eine Ode,“ fuhr er fort,„eine Liebeshymne.“
„In hundertfünfzig Stanzen.“
„Ach!“
„Sie ſagten doch,“ bemerkte er ſchüchtern,„daß Verſe—“
„Verſe,“ wiederholte ſie,„freilich Verſe! nicht Verſe, welche wie Seufzer, wie Guitarrentöne ein Hauch der Luft verſchlingt— Verſe, die wie Pfeile klingen! Den Dichter liebe ich, der ſcharfe Worte, tapfere Gedanken in ſeinem Köcher ſchüttelt gegen Laſter, Thorheit, Aberglauben, Vor⸗ urtheile, die Ausrufer und Tagelöhner der Selbſtſucht und der Tyrannei, und ſie wie Pfeile ſendet in das Herz der Feinde! Er iſt ein Dichter und ein Mann!“
„Und ich!— eine Ode in hundertfünfzig Stanzen,“ ſeufzte der preußiſche Geſandte.


