„Niemals!“ erwiederte ſie.„Ich will Dich an die Kette legen.“ Sie ſchloß ihn in ihre Arme.„Liebſt Du mich aber auch, Du großer, ernſter Mann, das tolle junge Weib mit tauſend Fehlern, tauſend Launen? das nur einen großen Vorzug hat vor allen Frauen, den— daß es Dich über Alles liebt?“
Kaunitz ſtand auf, ſchlang den Arm um ſie und führte ſie zu dem Fenſter.
„Sieh' in den Himmel, wie Stern auf Stern empor⸗ taucht aus dem Duft der Nacht, ſo ſäet die Liebe immer neues Licht in das Geliebte, bis alle Schatten aufblühen im Märchenglanz.“
Sie ſchmiegte ſich an ihn.„Du liebſt mich,“ ſprach ſie,„liebſt Du mich aber mehr auch als Dein Land, Dein Volk?“
„Wie könnt' ich das?“ entgegnete er.„Ich liebe Dich, ſo wie ich Oeſterreich liebe und dieſe Liebe iſt unendlich.“
XIV.
Kaunitz hielt noch das ſchöne Weib umſchloſſen und bedeckte ihre Lippen mit Küſſen, als lärmende, türkiſche Muſik, unter den Fenſtern der Fürſtin, ſie aus ſeinen Armen ſcheuchte.
„Was iſt das?“ rief ſie.
„Eine Serenade,“ antwortete der Graf.
„Soll es der König ſein?“ fragte ſie.
„Sehen Sie doch!“


