Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Wache, am Exercierplatze, überall huſtet es. Hier meldet man heiſer, dort commandirt man heiſer, die jungen Leute nennen die Krankheit den ruſſiſchen Huſten.“

„Nicht übel,“ ſagte Ludwig XV.,„aber was nützt mir das, ich bin für mehrere Wochen zu Grunde gerichtet, ich muß das Zimmer hüten, ich langweile mich. Sie wollte ich nicht ſehen, Kaunitz iſt krank, die Marquiſe iſt krank und wiſſen Sie, Richelieu, weshalb?“

„Sie will mich ſtrafen für das Abenteuer. Mein Zu⸗ ſtand verrieth mich. Nun glaubt ſie mehr, als geſchehen iſt oder geſchehen ſollte. Sie benimmt ſich, als hätte ſie mich bei einer Untreue ertappt.“

„Sire waren auch nicht weit davon.“

Der König brach in heftiges Huſten aus und rang mit einem Blicke gegen Himmel die Hände.„Mein Gott! ich und untreu!“ rief er ſo laut, als wenn er die Marquiſe an der Thüre wüßte,„aber der gottloſe Schnupfen, ich zittere vor Wuth, wenn ich denke, daß Millionen herumgehen, die nicht den Schnupfen haben und das Alles ſo ganz umſonſt. O! die Welt wird täglich ſchlechter, die Männer leiden am Schnupfen— und die Frauen an der Tugend.“

Scheu blickte Ludwig XV. um ſich, dann winkte er Richelieu näher zu kommen.

Der Herzog trat hinter ſeinen Stuhl, und beugte ſich über deſſen Lehne zu dem Könige herab.

„Ich habe Nachrichten von ihr,“ flüſterte er.

„Von der Ruſſin?“

„Gewiß, Sire!“

„Und das ſagen Sie mir ſo ſpät, warum kommen Sie überhaupt heute erſt?“