Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Die Straße, welche einſt zu dem majeſtätiſchen Ge⸗ bäude geführt hatte, verlief in einem tiefen ſumpfigen Graben, ein Seitenpfad im Walde. Kein Geleiſe eines Wagens, keine Spur eines Pferdehufes, eines Fußes be⸗ zeichnete ſie mehr als menſchliche Fährten.

Die Büſche, welche der Wald wie Vorpoſten gegen den Weg ausgeſtellt hatte, ſchüttelten ſich erſtaunt im Frühlings⸗ winde, als zwei Reiter im Morgenlichte auftauchten und die alte Straße zu gewinnen ſuchten.

War Krieg im Lande, lag Beſatzung im Schloſſe, ſtand hinter dem Walde ein feindliches Lager?

Die Reiter waren ihrem Aufzuge nach Parlamentäre.

Ihre Kleider hatten den militäriſchen Schnitt. Degen und Piſtolen bildeten die Bewaffnung. Der Eine hielt, auf ſeinen Sattelknopf geſtützt, eine große weiße Fahne, um die Schulter des Andern hing die Trompete der damaligen Reiterei. Von Zeit zu Zeit brachte er das maſſive Inſtru⸗ ment an die Lippen und blies mit vollen Backen eine Fan⸗ fare, während der andere zugleich ſeine Fahne ſchwenkte, wie um ſich vor feindlichem Angriffe, oder Kugeln ſicher zu ſtellen.

Am Fuße der Anhöhe, auf welcher das Schloß lag, hielten ſie. Dreimal blies der Trompeter, dreimal ſchwenkte der andere die Fahne. Kein Ton gab Antwort, keine Ge⸗ ſtalt zeigte ſich, Schloß und Gegend blieben einſam, öde, ſtille wie zuvor.

Der Reiter mit der Fahne ſchüttelte den Kopf.

Noch dreimal tönten die Fanfaren. Dann zog der Fahnenträger ein groß gefaltetes Papier aus der Bruſt her⸗ vor, breitete eine Art rieſiger Proklamation auf dem Halſe

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