Richelieu ſtellte eine Reihe von Fragen, welche der Secretair nur ungenügend beantwortete. Er wußte von der Fürſtin, ihren Verhältniſſen, ihrem Leben ſo gut wie nichts, er konnte auch nichts wiſſen, denn ihre Dienerſchaft beſtand aus ruſſiſchen Leibeignen, mit denen er nicht in der Lage war, ſich über das Nothwendigſte zu verſtändigen. Die Fürſtin berieth ſich nicht, ſie befahl nur. Er war nichts Beſſeres, als einer ihrer Leibeignen in das Franzöſiſche überſetzt. Mit Entzücken ſprach er von der Schönheit ſeiner Gebieterin und ſchilderte ihren Reichthum mit den Farben von Tauſend und einer Nacht.
Der Herzog zeigte ihm endlich ein Schreiben, worin er die Fürſtin in artigſter Weiſe bat, ihn zu empfangen, und bot dem Secretair eine bedeutende Summe, wenn er es an die Adreſſe überbringen wolle.
Der kleine Franzoſe ſtieß einen Schrei der Angſt aus, welcher beredter war, als jede Ausflucht.
„Sie können dies nicht thun?“ ſagte Richelieu.
„Excellenz!“ entgegnete der Secretair,„ich fürchte die Baſtille, ich fürchte ſie ſehr, aber noch mehr fürchte ich den Tod.“
„Ach! es gilt doch nicht Ihr Leben?“
„Es gilt mein Leben, ſehen Sie ſelbſt meine Inſtruc⸗ tion.“ Er zog ſie hervor und gab ſie Richelieu.„Verboten bei ſtrenger Strafe eine Botſchaft, welcher Art immer oder von wem es auch ſei, zu überbringen. Nun heißt aber leichte Strafe bei ihr hundert Peitſchenhiebe und—“
„Sie wird Sie doch nicht köpfen laſſen?—“
„Nein! aber—“
„Sie kann es nicht wagen, Sie zu tödten.“


