Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Abenteurerin ſein, ja es war nicht unmöglich, daß ſie trotz ihres fürſtlichen Namens die Hauptſtadt Frankreichs mit Abſichten aufgeſucht hatte, welche jenen Richelieu's ent⸗ gegen kamen.

Der Herzog war mit dem Weſen des Königs ſo weit vertraut, um ſeine Neigung nicht mißverſtehen zu können. Noch waren die Bande der Marquiſe von Pompadour ſtark genug, ihn zu halten, aber die Wolluſt der Knechtſchaft war ihm zu einer Gewohnheit geworden, deren Unbequemlichkeit er in Augenblicken zu fühlen begann. Ludwig XV. dachte gewiß nicht daran, ſich der Marquiſe zu entziehen, aber ſeine Laune trieb ihn, außer ihrem Boudoir Abenteuer zu ſuchen. Mehr erwartete der Herzog vorläufig noch nicht, mehr wäre ihm ungelegen geweſen, denn noch hatte er die Frau nicht gefunden, welche fähig war, aus einem kleinen Abenteuer eine Schlinge für den Nacken des Königs zu drehen. Er war zufrieden, daß es vorläufig eine Frau gab, welche die Neugierde deſſelben erregt hatte und deren Weſen ſeinen Planen zu ſchmeicheln ſchien.

Richelieu zögerte nicht, ſich mit dieſer Frau in Bezie⸗ hung zu ſetzen. Aber wie war das möglich? Quesnay hatte der Pariſer Geſellſchaft angekündigt, daß ſie einen Salon eröffnen werde.

Wirklich erfuhr man bald, daß es in ihrem Palaſte in der Stadt von Handwerkern und Arbeitern wimmle, welche eilig beſchäftigt waren, denſelben zu dieſem Zwecke einzurich⸗ ten, noch wenige Tage vielleicht, und die Fürſtin erſchien in der Geſellſchaft. Dann war es zu ſpät, dann näherte ſich ihr jeder Lieutenant der königlichen Garde, dann war es

*