Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
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zu küſſen und ihre Grüße an Friedrich den Großen in Em⸗ pfang zu nehmen.

Es iſt Zeit, Binder, daß ich geſund werde. Da mel⸗ det Fransvis eben unſern Leibarzt.

Mit behaglicher Geſchäftigkeit trat Quesnay auf den Balkon des Grafen. Er fragte nach dem Befinden, bot eine Priſe zuerſt dem Grafen, dann dem Secretair, ſprach von ſei⸗ nen Patienten, ſchönen Frauen, dem Theater, und ſchnupfte dann ſelbſt mit leidenſchaftlicher Haſt. Dieſen Moment be⸗ nutzte der Secretair, um ſich zu empfehlen. Kaunitz aber nahm den luſtigen Arzt unter den Arm, und ſagte leiſe: Was macht ſie?

Die Fürſtin?

Kaunitz nickte..

Quesnay griff lächelnd nach deſſen Puls.Sie fiebern ja förmlich um dieſe Frau.

Ja, Quesnay, wenn ich nicht bald geſund werde, ſo werde ich krank vor Neugierde. Wir wollen überhaupt eine wahre Wunderkur in Scene ſetzen. Ich fahre heute aus.

Quesnay, welcher an einer Guirlande geſpielt hatte, fuhr ſo entſetzt zurück, daß ihm der Aſt in der Hand blieb. Meine Reputation! was fällt Ihnen ein!

Gerade Ihre Reputation, lieber Quesnay, will ich auf das Höchſte ſteigern. Geſtern Abend noch ſchwer krank, heute Morgen Reconvalescent, zu Mittag geneſen. Es lebe Quesnay! wird man in den Straßen rufen, wenn man Ihren Wagen erkennt.

Der Doctor rieb ſich unaufhörlich die Stirne, ſah zu der Decke empor, rieb ſich wieder die Stirne, dann bog er ſchnell die Guirlande zuſammen, ſchlang ihre Enden feſt