Kaunitz blickte ruhig zu Binder empor und fuhr dann fort zu leſen.
„Ich ſpreche nicht von den Feinden Eurer Excellenz, dieſe triumphiren, ſie belächeln die kleinen Erfolge, ſo ſchreibt man mir, von Turin und Aachen, ſie zucken bedeutungsvoll die Achſeln über die öſterreichiſche Politik, über die Regie⸗ rung, welche den Poſten von Verſailles einem diplomati⸗ ſchen Schulknaben, ſo ſchreibt man mir, anvertrauen konnte, einem Schöngeiſt, der ſich von den Feſten Ludwig XV. ge⸗ fangen nehmen läßt, während deſſen Miniſter mit dem Kö⸗ nige von Preußen über einen neuen Krieg gegen Maria Thereſia unterhandeln.“
„Und meine Freunde?“
„Sie wiſſen ſich das Benehmen Eurer Excellenz nicht zu deuten, ſie ſehen die Beziehungen zu den Seemächten täg⸗ lich mehr erkalten und—“
„Gut,“ rief der Graf,„aber die Kaiſerin, wie meint man, daß ſie mein Benehmen beurtheilt?“
„Er braucht eine Erholung, er muß ſich zerſtreuen, das iſt ihre Antwort auf jedes Bedenken.“
Der Graf erhob ſich nun langſam, um über den Balkon zu ſchreiten.
„Und Paris? was ſagt Paris von mir? weil wir uns einmal mit dem Urtheil über mich beſchäftigen.“
„Paris hält Euere Excellenz für den liebenswürdigſten Cavalier, den geiſtreichſten Freund der Künſte und Wiſſen⸗ ſchaften, einen Mann, wie geſchaffen, die gegenſeitigen Vor⸗ urtheile der Nationen zu beſeitigen, Beziehungen des Frie⸗ dens, des Verkehres und Austauſches zu vermitteln, aber es hält Euer Excellenz für einen— ſchlechten Diplomaten.“


