Teil eines Werkes 
2. Buch (1873) Die Epigramme Friedrich des Großen / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Der Kammerdiener benahm ſich ſo, um den Grafen nicht durch ſein Erſcheinen zu überraſchen, denn er ſchwebte in ſeinen rothen Schuhen wie ein reiner Geiſt unhörbar über das Moos hin. Mit graziöſer Haltung reichte er Kau⸗ nitz auf ſilberner Taſſe ein Päckchen Briefe.

Der Graf nahm einen davon, überflog lächelnd die Adreſſe und ſchüttete dann alle auf das Marmortiſchchen, vor dem er ſich im bequemen Lehnſtuhle niederließ. Behag⸗ lich ſtreckte er die Füße in das Moos und fragte den Secre⸗ tair:Was für Nachrichten?

Francvis entfernte ſich.

Vor Allem einige Urtheile über Euere Excellenz.

Das langweilt mich, unterbrach der Graf,Anſich⸗ ten über Geiſt, Gemüth, Charakter, ob man dieſer oder je⸗ ner Weltanſicht folgt, wie man ſich ſelbſt in ſeiner Meinung von den Anderen ſpiegeln mag, Philoſophie, Moral, Paſ⸗ ſionen, und keine Ahnung von dem, was die Natur iſt. Menſchennatur! wer ergründet dich? wer forſcht nach dei⸗ nen Elementen? Blumen zerpflückt man, Steine wirft man in den Schmelztiegel, aber dich dich will man conſtruiren wie den Stein der Weiſen, aber ihn findet Niemand und

tiemand dich! Der Graf ſchwieg eine Weile, während er die Briefe überflog.Nun, Binder?

Geſtatten mir Excellenz doch die Urtheile ſie ſtehen in naher Beziehung zu Ihren Abſichten.

Zu meinen Abſichten? Alſo.

Ich habe Briefe von Wien. Binder zog ſie hervor.

Nur den Inhalt! befahl der Graf,in aller Kürze.

Ganz kurz, entgegnete der Secretair, hat Euere Excellenz in Wien aufgegeben.

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