Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Haus. Iſt es der Dichter, den man entdeckt hat, iſt es der König?

Eine Frau beugt ſich über die Brüſtung, Niemand kennt ſie, aber aller Augen ſuchen ſie. DieRuſſin! flüſtert es von Loge zu Loge, von Bank zu Bank.

Lange Jahre haſt Du Dein Stück mit Dir herumge⸗ tragen, wie einen heiligen Wahnſinn, armer Dichter, mit dem Blute Deines Herzens haſt Du es geſchrieben, das ſchöne Weib wirft einen Blick nur in das volle Haus und Du biſt vergeſſen.

Kaunitz iſt in das Parquet hinabgeſtiegen, hier ereilt ihn das Auge der wunderbaren Frau, und mit einer Haſt, die ihm ſo fremd ſchien, faßt er Quesnay's Arm.Heben Sie den Schleier von dieſem Geheimniß, ruft er,wer iſt dieſes Weib?

Lächelnd zieht Quesnay ein Billet hervor und giebt es dem Grafen.Sie ſelbſt, ſagte er ruhig,haben ihn in dieſem Augenblick gehoben. Die geheimnißvolle Ruſſin er⸗ ſcheint in der Geſellſchaft, die Fürſtin Woronzoff eröffnet ihren Salon.

Das Billet mit ihrer Schrift verbirgt der Graf zer⸗ knittert in ſeiner Bruſt. Das Orcheſter beginnt, Catilina ruft ihn und er eilt auf ſeinen Platz.

Man erwartet nur noch den König, um anzufangen. Jetzt erſcheint er, mit ihm die Marquiſe von Pompadour. Die Glocke tönt, der Vorhang rauſcht empor, das Stück be⸗ ginnt.

Draußen an der kleinen Pforte, durch welche die Schauſpieler auf die Bühne gelangen, ſteht ein Mann mit weißen Haaren, der hat es gedichtet. Er lauſcht jedem