Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Nein, Crebillon, antwortete der Graf,Ihr Stück gehört Frankreich, der Menſchheit, kommen Sie.

Nur einen Augenblick, wenn Sie erlauben, ſprach der Greis,ich will mir das Publikum anſehen, und dann wieder gehen.

Der Graf trat mit Crebillon in ſeine Loge. Der Dich⸗ ter blieb im Hintergrunde, auf den Fußſpitzen vorgebeugt, blickte er in das Haus. Es war zum Erdrücken voll. Kau⸗ nitz muſterte es mit den Blicken eines Generals, der ſeine Schlachtordnung und jene des Feindes in Augenſchein nimmt. Die Mitte des Parterres nahm Amadeus mit ſei⸗ ner tapfern Schaar ein, um ſie wogte es von unbefangenen Zuſchauern, jenen Wellen, die ein leichter Windſtoß Für oder Wider in Bewegung ſetzt. Zerſtreut hatten unter denſelben Parteigänger Voltaire's Platz genommen, auch das Par⸗ quet hatten ſie ſtark beſetzt, aber hier waren ſie durch Ques⸗ nay mit den Oekonomiſten und ſeinem übrigen Anhange und Couſtou, welcher eine Cohorte junger Künſtler in's Ge⸗ fecht führte, in die Mitte genommen.

Durch die Logengänge flog der ſchöne Abbé Bernis, die Damen zu gewinnen.

Es verſchwimmt mir vor den Augen, ſagte Crebil⸗ lon,ich muß fort.

Bleiben Sie doch, der Sieg iſt unſer, antwortete Kaunitz. Crebillon ſchüttelte den Kopf, hüllte ſich in ſeinen Mantel und verließ die Loge.

Kaunitz gegenüber erſchien Miniſter Machault, mit Madame Zephyrine und der reizenden Gabriele. Auch Vol⸗ taire war im Theater, unbefangen ſcherzte er mit dem Herzoge von Richelieu. Da fliegt es ſeltſam durch das