Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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dafür hat mein Herr das gleich eingeſehen mit dem Stücke, in voller Uniform war er beim Miniſter.

Haſt Du Deine Leute fragte Kaunitz,für heute Abend?

Alle zur Stelle, Euer Gnaden, mitten im Parterre, ihrer Funfzig wohlgezählt, die ſollen mir ein Spektakel ma⸗ chen. Ich ſehe alſo immer auf Euer Gnaden, und ſobald das Tuch vor den Mund genommen wird, bricht es los. Der Graf zog eine Börſe und warf ſie Amadeus in den Hut.

Euer Gnaden ſind doch lächerlich gut und freigebig, meinte der Schleſier,die preußiſche Excellenz hat mich auch hereingeſchickt, den Crebillon herauszuklopfen, denn wenn das Stück gefällt, ſagt mein Herr, geht der Voltaire ſchon ganz gewiß zu unſerm Könige. Nun gut, auch ſollen paſſende Stellagen im Discurs applaudirt werden, meinte Excellenz, und wenn einer von den Acteurs davon laufen möchte, ſoll man ihn beim Namen rufen, und das Alles für einen preu⸗ ßiſchen Thaler, ſage einen Thaler; Euer Gnaden begreifen, daß, da das beſte Trauerſpiel durchfallen könnte.

Vorwärts, auf Deinen Poſten, rief Kaunitz. Da fühlte er ſich bei dem Mantel gezerrt, Crebillon ſtand an ſeiner Seite.

Mein Gott! ſagte er mit zitternder Stimme,finde ich Sie endlich, ich halte es zu Hauſe nicht aus, auch nicht im Theater, auch nicht auf der Straße, könnte ich doch mein Stück wieder haben, nie mehr ſollte mich der Ehrgeiz ſtechen, aber ſo iſt Alles vorbei; ſie kennen es auswendig, mein Stück gehört nicht mehr mir.