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gewiſſenhafter Schuldner, denn es gehört ganz nur den Ge⸗ danken, die ihn leiten und erfüllen. Sie aber ſind ſelbſtſüch⸗ tig und eigenmächtig.“
„Ich kann mich nicht unterordnen,“ ſprach ſie,„und wäre es mein eigenes Erkennen, dem ich mich fügen ſoll, es ſteht mir dann als etwas Fremdes gegenüber, und ich will Niemand Unterthan ſein, als mir ſelbſt. Bin ich jetzt bei dieſem Athemzuge, was ich bei dem vorigen, was ich geſtern war? Sich ein Daſein nach Grundſätzen, nach leiten⸗ den Gedanken aufbauen, ſetzt den ewigen Frühling voraus und die ewige Jugend. Giebt es ein Geſetz in der Natur, dann iſt es auch in mir, und nur in meiner eigenen Bruſt kann ich ſein Gebot erlauſchen.“
„Ich werde Ihnen doch den Grafen verſchreiben,“ ant⸗ wortete der Leibarzt,„Sie müſſen ihn kennen lernen, ma⸗ chen Sie ihn durch Ihre liebenswürdige Garde zu Ihrem Gefangenen, und kerkern Sie ihn auf Ihrem Schloſſe ein, oder laſſen Sie Ihr Geheimniß fallen und erſcheinen Sie in der Geſellſchaft; aber es iſt wirklich hohe Zeit, wenn ich zu meinem Sitze gelangen will.“
„Sie verlaſſen mich,“ ſprach die Dame,„auf Wieder⸗ ſehen alſo im Catilina.“
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Als Kaunitz vor dem königlichen Theater aus dem Wagen ſtieg, fand er Amadeus an dem Portale ſtehen.
„Es iſt nichts mit den Verſen,“ ſagte er,„heute den letzten Verſuch gemacht— alles umſonſt, die preußiſche Ex⸗ cellenz trägt ſie immer bei ſich. Staatsgeheimniß heißt es,


