Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Sie fahren in das Theater? ſagte der Arzt ver⸗ gnügt.

Ich habe eine Loge, wollen Sie mein Gaſt ſein?

Quesnay lehnte ab.Mein Platz iſt heute im Par⸗ quet, ſagte er.Es iſt eine Schlacht, die heute gekämpft wird, und ich habe ein Commando zu führen.

Ich weiß das, es ſchwebt etwas um dieſen Catilina, das mich anzieht. Crebillon in ſeiner Dachſtube, das Kaffee⸗ haus, die Scene im Cabinete des Königs, und die Bewe⸗ gung, in der ſich heute Paris befindet, es ſind bunte Farben genug, Bilder voll Eigenthümlichkeit und Leben.

Sie wiſſen das Alles? ſagte der Arzt.

Noch mehr; einen Augenblick betrachtete ſie ihn, dann fragte ſie:Kennen Sie Kaunitz?

Ich kenne ihn.

Er macht mich ungeduldig, fuhr die ſchöne Frau fort. Ich lache täglich über ihn, und ich geſtehe, es giebt auch Augenblicke, wo ich über ihn nicht lachen kann. Ich ver⸗ ſtehe ihn nicht, ich kann ihn nicht überſehen. Er macht mir nicht den Eindruck, wie ihn ein Mann zu machen wünſcht. Aber es iſt doch ein Eindruck und das regt mich auf.

Sie ſind auf dem beſten Wege, ſich ſelbſt zu heilen, rief Quesnay heiter;ich hätte Luſt, Ihnen den Grafen zu verſchreiben, täglich zweimal zu nehmen, Vor- und Nach⸗ mittag, und Sie ſind in zwei Wochen geſund. Sie ſehen das Leben an, wie Ihre Reichthümer, jeder Augenblick fin⸗ det Sie bereit, beide für eine Laune zu verſchwenden. Er liebt das Leben unausſprechlich. Wie eine Mutter ihr kran⸗ kes Kind verzärtelt, wartet er und hütet und pflegt ſich ſelbſt, und doch ſchaltet er mit ſeinem Leben, wie ein treuer